Alle Chorgeschichten

Achtung, Aufnahme!

Früher war alles besser? Früher, damit meine ich die Bewerbung zum Sängerfest vor 5 Jahren. Nein, nicht die Sänger*innen waren besser, auch nicht die Lieder. Das ist eher heute der Fall, finde ich ganz persönlich.

Das mit den Aufnahmen für die Sängerfest-Jury war besser, weil es einfacher war. 2014 mussten wir „nur“ vernünftige Tonaufnahmen vom Chor einschicken. Tonaufnahmen – das mache ich seit vielen Jahren, und seit wenigen Jahren zusätzlich nebenberuflich.
Heute aber wünscht sich die Jury Ton- und Filmaufnahmen vom Chor. Warum? Das weiß nur die Jury. Wahrscheinlich, damit sie sehen, dass wirklich alle singen bei den Aufnahmen und nicht ein paar während der Aufnahme stillschweigend in die Kamera lächeln, weil eine Stelle doch einfach viel zu kompliziert ist?

Um ehrlich zu sein: Es ist langweilig, wenn es einfach ist. Und ich finde es langweilig, wenn früher alles besser war! Das stimmt ja nur in der verklärten Rückbetrachtung. Also machen wir Ton- und Video-Aufnahmen von allen 12 Bewerbungsstücken, und alle singen eifrig.

Zu den Aufnahmeterminen müssen wir vier bis fünf Micros und Audiostative transportieren, viele Meter Audiokabel, Laptop mit spezieller Technik und Aufnahmesoftware. Dazu zwei Videostative, zwei Video-Kameras und und und…zum Glück hat der Chor viele helfende Hände und eine besonders gute Seele, die stets alles mit mir aufbaut. An dieser Stelle: Danke, Thomas!
Dann heißt es: Achtung, Aufnahme!

Nach den Aufnahmen sichte ich das Audiomaterial und die mitgeschnittenen Filme der zwei Kameras.
Den Ton und die Filme der beiden Kameras muss ich von Hand synchronisieren. Spätestens jetzt wird klar, dass die typischen „Klappen“ bei Filmaufnahmen sehr praktisch sind – wir behelfen uns mit Klatschen in die Kamera. Inzwischen habe ich auch mit dem für mich ungewohnten und deswegen ungeliebten Film ein bisschen Übung. Jetzt dauert es ca. 50 – 60 min. einen laienhaften, kleinen Chorfilm mit Vor- und Nachspann zu produzieren. Ist ein Film fertig, heißt es bei der nächsten Probe schon wieder: Achtung, Aufnahme!

Aber nur noch bis heute, den 15. April, denn heute stellen wir alle Filme, unsere gemeinsame Chorarbeit von vielen Wochen und Monaten, der Jury zur Verfügung. Die Jury schaut die Filme durch und gibt uns wichtige Probenhinweise, wo wir noch Verbesserungspotenziale haben. Mal sehen, was die Jury uns für Hinweise geben wird. Das ist notwendig, sonst klappt ein Auftritt mit bis zu 25.000 anderen Sänger*innen beim Sängerfest nicht. Aber zum Glück heißt es nach der Rückmeldung der Jury nicht mehr: Achtung, Aufnahme! Sondern nur noch „Achtung, Probe!“. Aber das sind wir alten Chorsänger*innen bereits gewöhnt.

Hartmut Schmitz

 


 

Alle Chorgeschichten

Ich bin ein Neuer!

Ich bin einer von den „Neuen“, zum ersten Mal beim Sängerfest dabei. Ich wohne in der Voreifel und singe als Tenor seit einigen Jahren im Kirchenchor in Lammersdorf, außerdem seit kurzem beim Chor Cantabile in Aachen Walheim.

Wie kommt man da zu Aix Muusika?

Über die estnische Chorleiterin des Chors „Cantabile“,Kairit Siidra, hörte ich vom Projektchor Aix Muusika in Aachen. Aix Muusika hatte wohl in den Männerstimmen ein paar Lücken, weil doch nicht alle mal eben so einfach mit nach Estland fliegen können. Kairit Siidra und andere erzählten mir ganz begeistert vom Sängerfest „Laulupidu“ in Tallinn/Estland. Es findet alle fünf Jahre statt, und Aix Muusika ist bereits zum zweiten Mal zugelassen. Das klang spannend! Ich schaute mir einige Links über das Sängerfest von 2014 an und fragte bei Elo Tammsalu, der estnischen Leiterin von Aix Muusika, an, ob es für einen Tenor wie mich einen Platz gibt?

Elo lud mich prompt zur nächsten Probe ein. Das war sehr ernüchternd! Der Chor war schon eingespielt, alle 12 Lieder waren in estnischer Sprache und ich verspürte geradezu Termindruck. Links und rechts von mir saßen zwar sehr nette Sänger, die mir Mut gemacht haben. Ich bin aber mit gemischten Gefühlen nach Hause gefahren. Ich fand die Lieder teilweise sehr schwer und es verblieben wenige Probentermine, da alle Lieder bis Mitte April noch aufgenommen und an die Verantwortlichen nach Estland geschickt werden mussten.

Zum Glück hatte Elo Übedateien für alle Stimmen gemacht. Ich habe dann mit diesen Midi-files zu Hause geübt und ganz langsam, Stück für Stück, ein Verständnis für die Lieder entwickelt. Inzwischen sind die Lieder "Igaviku Tuules" (https://www.youtube.com/watch?v=MV91IsssbvQ) und "Ilus Oled Isamaa" (https://www.youtube.com/watch?v=heVDf44z3t8) zu meinen Lieblingsliedern geworden.

Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen werden. Ich habe jetzt viele Chormitglieder kennengelernt, die teilweise auch schon 2014 dabei waren und begeistert vom Festival erzählen. Vor Kurzem sind die eigens für uns in Estland bestickten Polo-Shirts angekommen, damit wir zwischen den über 20.000 Sänger*innen auch als Aachener Chor gut erkennbar sind.

Ich freue mich darüber hinaus sehr über unsere Auftritte in Aachen („Ouvertüre für Tallinn“, 25. Mai, 19:00Uhr, Citykirche und „Chorbiennale - Abend der Städteregion“ 14.Juni, 20:00 Uhr, Krönungssaal), bei denen wir einige Lieder vorstellen werden. Und -natürlich!- freue ich mich auf das Festival in Tallinn ab 04. Juli!

Ben Magrean

(Keine Haftung für den Inhalt externer Links)

 


 

Aix Muusika 2.0 – warum möchte ich gerne wieder dabei sein?

Estland ruft wieder mit seiner Musik- und das ist im Grunde mit Worten nicht zu beschreiben!

Wenn ich zurückdenke, - fühle und nach innen horche, so drängt sich vor allem ein tiefgreifendes Gefühl von EINS-SEIN und FRIEDEN in mein Bewusstsein. 
Ohne Wettbewerbe, ohne Gewinner oder Verlierer, einfach mit zig-Tausenden von Gleichgesinnten auf hohem musikalischen Niveau gemeinsam singen. Es ist Chorgefühl in Hochpotenz, und Körper und Seele vibrieren!

Alle Nationalitäten sind Eins, jeder hilft jedem, Frieden in der Stadt, Frieden auf dem Festgelände – sogar bis hin zu den Würstchenbuden oder Schlangen vor den Herzhäuschen.

Jetzt könntest du sagen, das gibt´s auf jeder Chorbiennale. Nein, Estland und seine Musik sind besonders. Hier erlebst Du die schwierige Geschichte eines Volkes mit der gesamten Palette seiner gespeicherten Emotionen in Volkslieder verpackt. Und das berührt nicht nur, das ergreift das Herz.

Und last but not least, ist es wunderbar, zusammen mit unserer Chorleiterin ihr Heimatland authentisch zu erleben und all die wunderbare estnische Musik, die wir in unserem Chor-Repertoire singen, am Ort des Ursprungs zu erfahren!
Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Jahr wieder dort eintauchen und ein aktiver Teil dieses Eins-Seins und Friedens sein darf!


Anne Busse


 

Vom Rückwärtszählen

Yvonne zählt rückwärts.

Seit dem Ende des letzten großen Sängerfestes am 6. Juli 2014 wartet sie auf das Sängerfest 2019. 
Damals waren es 1823 Tage. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Also, das mit dem Rückwärtszählen, das schon. Aber dass Aix Muusika wieder zum Sängerfest fahren darf, eben nicht!

Viel geprobt hat Aix Muusika schon jetzt für die neue Bewerbung. Die Proben für die zwei Bewerbungsstücke starteten am 21.04.2018. Da waren es 438 Tage.
Das 1. Treffen zur Vorbereitung auf 2019. Auf der einen Seite ein großes Hallo und Wiedersehen. „Ja, schön wars 2014, das müssen wir wiederholen!“ sagen viele der altgedienten Estlandreisenden von 2014. Altgedient sind aber eigentlich alle, zumindest altgediente Chorsänger, auch die, die noch nicht mit in Estland waren. Alle aus ganz unterschiedlichen Chören, aus fünf Aachener Chören. Einige sehen sich wöchentlich oder täglich. Andere haben sich mehrere Jahre nicht gesehen.

Und dann sind da die noch ganz neuen, die neuen „Ich-möchte-auch-mal-zum-Sängerfest-Gesichter“: 
Zum Beispiel eine große Gruppe sangesbegeisterter Frauen aus dem Gaudeamus-Chor, gleich mal von einem Herrn „die Gaudeamusi“ getauft. Damit hat es mehreres auf sich – „si“, wg. Plural (obs grammatikalisch nun stimmt oder nicht, egal…). Aber „Musi“ heißt auf Estnisch auch noch etwas ganz anderes, wie einige der altgedienten Hasen wissen: „Musi“ heißt nämlich „Küsschen“ auf Estnisch. Na, wenn das mal kein Spitzname ist!
Die Bewerbungsstücke sind übrigens schon lange aufgezeichnet, und Aix Muusika hat die Bewerbung bestanden. Aber davon ein anderes Mal mehr.

Was fehlt noch? Ach, richtig! Yvonne zählt heute, am 04.03.2019, noch 121 Tage rückwärts. Dazu müssen wir klarstellen: Yvonne, Du fuschst!!! 
Sie zählt nämlich die Tage bis zur Abreise der Gruppe. Das Fest beginnt einen Tag später, das sind genau genommen noch 122 Tage. Aber das dauert Yvonne viel zu lange, deswegen zählt sie bis zur Abreise.

Hartmut Schmitz


 

Die Chorleiterin

Elo Tammsalu-Schmitz wurde 1976 in Märjamaa / Estland geboren. Seit ihrem 11. Lebensjahr erhielt sie Gesangsunterricht. Als Solistin des Mädchenchores „Ellerhein“ führten sie Konzertreisen unter anderem nach Skandinavien, Europa und Japan.

Von 1992 bis 1994 sang sie den 1. und 2. Knaben in der Zauberflöte an der Estnischen Nationaloper. 1997 trat sie in „Hänsel und Gretel“ als „Gretel“ in einer konzertanten Aufführung mit dem Estnischen Staatlichen Sinfonieorchester in Tallinn auf.

Von 1995 an studierte Elo Tammsalu Klavier in der Klasse von Ivari Ilja an der estnischen Musikakademie und schloss das Studium im Jahr 2000 mit Auszeichnung ab. Es folgte ein Gesangsstudium an der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen, zunächst bei Robert Schunk, dann bei Claudia Kunz-Eisenlohr. Seit 2003 war sie solistisch in diversen Aufführungen (z. B. Psalm 42, Mendelssohn; Magnificat, J. Rutter) mit Orchester zu hören. Am Theater Aachen sang sie u.a. die „Mastrilla“ in „La Périchole“.

Nachdem sie schon einige Jahre den Chor ACcanto als Stimmbildnerin begleitet hatte, übernahm Elo ab 2009 zunächst ACcanto, dann auch die Kirchenchöre Hl. Kreuz und Cordial und weitere Aufgaben als Chorleiterin und Gesangscoach in der Kaiserstadt.

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